Schmerz

Schmerzen – Achtungssignale des Körpers und des Geistes

Die Medizin unterscheidet zwischen akutem und chronischem Schmerz. Ersterer weist auf eine drohende oder bereits eingetretene Gewebeschädigung hin. Er hat eine wichtige biologische Warnfunktion, hält nur kurze Zeit an und klingt nach Beseitigung der auslösenden Ursache rasch ab. Von chronischem Schmerz spricht man, wenn der Schmerz länger als sechs Monate anhält oder immer wiederkehrt.

 

Ursache hierfür können unheilbare Erkrankungen wie zum Beispiel bösartige Tumoren oder Rheuma sein. Oft ist jedoch kein Zusammenhang mehr zwischen dem Schmerz und der Schädigung bzw. der Erkrankung, die einst den Schmerz auslöste, erkennbar. Der Schmerz hat seine Warnfunktion verloren und ist zu einem eigenständigen Krankheitsbild geworden. Schätzungen zufolge leiden in Österreich  rund 500.000 an chronischen Schmerzen und bei 50.000 Patienten liegt ein schwer therapierbares Schmerzsyndrom vor. Rückenschmerzen stellen die häufigste Form chronischer Schmerzen dar, Kopfschmerzen stehen an zweiter Stelle. Die Lebensqualität der Schmerzpatienten ist erheblich beeinträchtigt. Als besonders gravierend gelten die psychosozialen Folgen (Vereinsamung, Depression), von denen diese Menschen und ihre Angehörigen oft zusätzlich betroffen sind.

 

In der hypnotherapeutischen Praxis begegnen man häufig Menschen, die im Regelfall ausschließlich symptomorientiert behandelt worden sind. Für eine ganzheitliche und somit profunde Schmerztherapieist es nicht ausreichend, dem Schmerz medikamentös oder operativ zu begegnen. Vielmehr ist auch eine psychotherapeutische Behandlung der zum Schmerzgeschehen beitragenden und verstärkenden emotionalen Ursachengefüge sinnvoll. Werden emotionalen Ursachen ignoriert, verhält sich der Schmerz wie ein Bote, der verzweifelt versucht, Ihnen eine Nachricht zu überbringen: Zunächst klopft er sachte an die Tür. Wenn Sie nicht öffnen, wird er lauter klopfen. Öffnen Sie dann noch immer nicht, wird er noch vehementer werden – bis Sie die Tür öffnen und die Nachricht entgegennehmen. Ignorieren Sie die Botschaft (also die emotionale Ursache), wird der Bote (Ihr Schmerz) allen Versuchen trotzen, sich „ausschalten“ zu lassen.

 

Hypnosetherapie und Schmerzen

Die moderne Hypnosetherapie kann Schmerzpatienten häufig einen überaus effektiven Zugang sowohl zur Aufdeckung der emotionalen Ursachen des Schmerzes als auch zur Kontrolle des Schmerzes bieten.

 

Die Schmerzkontrolle gehört sogar zu den ältesten Einsatzgebieten der Hypnose. Im Zustand der hypnotischen Trance ist es möglich, die Schmerzempfindlichkeit stark herabzusetzen oder den Schmerz gar gänzlich auszuschalten. Lange vor Einführung von Chloroform und Äther (Mitte des 19. Jhs.) wurde die Hypnose zur Einleitung einer Analgesie angewandt. Schmerz ist durch psychologische Interventionen deutlich beeinflussbar – so kann Hypnose die Art, wie ein Mensch Schmerzen wahrnimmt, dramatisch verändern. Der hohe Stellenwert der Hypnose, respektive der Hypnosetherapie als klinische Technik zur Schmerzbehandlung ist gut dokumentiert.

 

Wie genau wirkt sich die Hypnose auf Schmerzen aus?

Die schmerzverringernde bzw. schmerzauflösende Wirkung der Hypnose basiert auf drei verschiedenen Zusammenhängen:

 

1. Der Schmerz kann von Emotionen ausgelöst werden

 

Wenn ein Mensch Schmerz verspürt, gesellen sich fast automatisch bestimmte Emotionen zum körperlichen Schmerz: z. B. die Angst vor dem Schmerz, die Wut über den Schmerz oder auch Traurigkeit. Diese Emotionen verstärken die Wahrnehmung des Schmerzes bzw. erhalten die Schmerzwahrnehmung aufrecht, obgleich kein physiologischer Anlass mehr besteht. In der Hypnotherapie können die den Schmerz begleitenden Emotionen bearbeitet und gelöst werden. Dadurch kann sich die Intensität des Schmerzes deutlich verringern.

 

2. Die Schmerzverarbeitung im Gehirn kann beeinflusst werden

 

Im Zustand hypnotischer Trance gelangt zwar die volle Schmerz-Information zur Gehirnrinde. Die hirnphysiologische Verarbeitung der Schmerzsignale kann jedoch so beeinflusst werden, dass die Schmerzwahrnehmung verändert oder ganz ausgeschaltet ist. Die Meldung “Achtung! Schmerz!” wird daher nicht gesendet. Auf diesem Zusammenhang fußt die Tatsache, dass selbst schwere chirurgische Eingriffe ohne Einsatz chemischer Anästhetika durchgeführt werden können.

 

3. Das Gefühl, den Schmerz kontrollieren zu können, verringert die Schmerzintensität

 

Besonders Menschen, die ansonsten ein sehr deutlich kontrolliertes Leben führen, unter heftigen Schmerzzuständen – wie wir sie im Falle chronischer Schmerzkrankheit kennen – besonders intensiv leiden, weil sich das Schmerzgeschehen gänzlich ihrer Kontrolle entzieht. In der hypnotherapeutischen Schmerztherapie bekommt der Klient zahlreiche Werkzeuge an die Hand, die es ihm erlauben, seinen Schmerz zu kontrollieren; die wichtigste Rolle spielt hierbei die Selbsthypnose.

 

In zahlreichen Gebieten kann die Hypnose eine effektiv Unterstützung zur Verbesserung oder des Schmerzgeschehens sein. Erfahrungsgemäß können beispielsweise selbst schwere Schmerzzustände, die selbst auf Betäubungsmittel nicht ausreichend ansprechen, in der Hypnose behandelt werden. Im Gegensatz zu chemischen Analgetika ist der Einsatz von Hypnose frei von Nebenwirkungen, was die Genesung zusätzlich in beträchtlichem Maße befördern kann.