Bauchhypnose bei  Reizdarmsyndrom

Der Reizdarm ist eine Störung im Nervensystem des Darmes, wobei die Kommunikation zwischen Kopf- und Bauchhirn, die sogenannte Bauch-Hirn-Achse, beeinträchtigt ist. Dies führt zu überschießenden Reaktionen des Darmes.

 

Diagnose Reizdarm:

Voraussetzung für die Diagnose eines Reizdarmsyndroms in Österreich sind unklare Durchfälle oder Verstopfung und abdominelles Unbehagen bzw. Schmerzen innerhalb der letzten 3 Monate an mindestens 3 Tagen pro Monat. 15% aller ÖsterreicherInnen haben mehr oder weniger ausgeprägte Symptome eines Reizdarmsyndroms. Ein organpathologischer Befund fehlt üblicherweise oder kann das Ausmaß der Beschwerden zumindest nicht erklären. Psychosoziale Faktoren, wie Stressbelastungen, Schlafstörungen, etc. spielen häufig eine Rolle.

 

Bei der Mehrzahl der ReizdarmpatientInnen besteht eine die Eingeweide betreffende Überempfindlichkeit, die viszerale Hypersensibilität: Dehnungsreize im Darm bewirken Krämpfe und Beschwerden, was häufig Ängste auslöst. Angst wiederum verstärkt die darmbezogene Aufmerksamkeit und damit die Wahrnehmung von unangenehmen Symptomen, ein Teufelskreislauf kommt in Gang.

 

Bauchhypnose:

Die Behandlung mit Hypnotherapie umfasst üblicherweise 10-12 Sitzungen mit jeweils 50 Minuten. Durch ergänzendes Üben von Selbsthypnose können die Langzeiteffekte noch gesteigert werden.

Die Bauchhypnose vermindert Bauchschmerzen. Die Schmerzschwellen werden verändert und primäre Reizdarmsymptome reduziert. Die Bauchhypnose ist nachgewiesenermaßen der üblichen medikamentösen Therapie überlegen und nebenwirkungsfrei.

 

Studien zur Effektivität der Bauchhypnose:

2013 zeigten Dr. Moser und Kollegen in Wien einen Langzeiterfolg der Bauchhypnose an Reizdarmpatienten: Fast 55% der Bauchhypnose-Probanden zeigten noch nach 12 Monaten deutliche Symptomverbesserungen. Zählt man die Studienteilnehmer dazu, die die Studie abgebrochen haben und danach nach der Befindlichkeit befragt wurden, waren es über 70%. während es in der Kontrollgruppe nur 25% waren. Alter, Geschlecht oder Reizdarm-Subtyp hatten übrigens auf den Erfolg keinen Einfluss. Die Bauchhypnose half gleich gut bei Verstopfung, Durchfall oder Schmerzen!

 

Behandlungsablauf Bauchhypnose:

Zu Beginn stelle ich Ihnen einige Fragen zu ihren Beschwerden, ihren bisherigen Therapien und zu ihrer Lebenssituation (Anamnese). Dadurch kann ich das Vorgehen individuell auf Sie abstimmen.

Sie erhalten wichtige Informationen über den Reizdarm, dessen Ursachen und Zusammenhänge mit psychischen Faktoren. Ich erläutere Ihnen die Anwendung von Hypnose und das Wesen der Trance.

 

In den ersten beiden Sitzungen haben sich stärkende allgemeine Entspannungstrancen bewährt, um schließlich ab der 3. Sitzung mit der Bauchhypnose zu beginnen, die auch in den folgenden Sitzungen in verschiedenen Ausgestaltungen zur Anwendung kommt.

Ab der 3. Sitzung erhalten Sie eine Audio-CD, um in Selbsthypnose regelmäßig zuhause üben zu können.

Im Prozess besteht immer die Möglichkeit des ausführlichen Gesprächs und je nach Stimmigkeit, Interesse und Bedarf biete ich Ihnen unterschiedliche weiterführende Interventionen, auch zu anderen Themen, an.

 

Darmgesundheit:

In unserem Darm sitzt ein kleines Gehirn, das sogenannte enterale Nervensystem. Zwischen 200 und 600 Millionen Nervenzellen im Darm verständigen sich mittels Botenstoffen und elektrischen Signalen, kontrollieren so die Darmfunktion und regulieren die Verdauung. Anders als das Kopfhirn steht das Darmhirn in direktem Kontakt zur Außenwelt. Alles, was wir zu uns nehmen, kommt mit der Oberfläche des Darms in Berührung.

 

Zwei Drittel der Abwehrzellen unseres Immunsystems sitzen im Darm. Bei Stress reagiert der Darm mit erhöhter Aktivität. Bei massivem Stress werden, ähnlich wie bei Giftstoffen (z.B. Salmonellen), Alarmprogramme ausgelöst, die willentlich nicht mehr beeinflussbar sind. Der Dünndarm treibt die Verdauungsreste dann beschleunigt voran, um in der Krisensituation weniger Arbeit zu haben – wir reagieren mit Durchfall.

 

Unser Darm beeinflusst aber auch unser Befinden. Aus dem Darm kommen die basalen Signale, was gut und was nicht gut für uns ist. Diese Signale werden somatische Marker genannt. Die im limbischen System unseres Kopfhirns gesteuerten Emotionen werden also durch Informationen aus unserem Darm mitbestimmt. Auch für unsere Entscheidungen spielen „Bauchgefühle“ eine wesentliche Rolle. Weil unser Darmhirn sich Zuwendung, Stimmungen, Gerüche, Eindrücke und Gefühle, etc. merkt und diese emotionalen Erinnerungen unsere Entscheidungen modellieren.

 

Auch unser Mikrobiom, die spezifische, individuelle Zusammensetzung der Darmbakterien, wird durch Stress beeinflusst und wirkt sich auf unsere Gefühle und unser Verhalten aus.

 

Buchtipp: Darm mit Charme von Giulia Enders